Monatsarchiv Januar, 2011

treppe zum himmel (ii)

in dem baum, nah am bach
singt ein vögelchen: ach
manchmal will, was wir denken
uns auf irrwege lenken

wenn ich dann westwärts schaue
zuckt es mir in der braue
und mein geist rüttelt schwer:
wie schön abschied doch wär

klarheit herrscht in den träumen
ringelrauch dampft aus bäumen
und auch stimmen von denen
die nur gaffen und gähnen



treppe zum himmel (i)

gibt ne lady, die weiß:
glitzert gold, ist es heiß
kauft sich treppen, die enden
in des himmels vier wänden

kommt sie an und ist zu
dann behält sie die ruh
ein wort reicht, sie erhält
das, wofür sie sich quält

an der wand hängen zeichen
doch das kann ihr nicht reichen
denn die wortkonstruktionen
sind oft variationen



jenseits von reden

sei still und ruhig! halts maul, den mund
die schnauze und die fresse
be quiet, please! schließ ab, das rund
bevor ich mich vergesse

die klappe zu! die schotten dicht!
bleib stumm wie fritzes fische!
shut up your face! kein ton, du wicht!
wir sind hier nicht bei tische

ich will nichts hören! kein geräusch
kein flüstern und kein summen
es heißt doch, wenn ich mich nicht täusch:
das glück ist mit die stummen



der erste brei

der löffel naht. der blick wird scharf:
das wagst du nicht! protest! ich stampf!
glaub bloß nicht, dass du alles darfffffff
zu spät. schon drin: kartoffelmampf

die wände wackeln. blut gerinnt
in adern. mark erschüttert schrei
wer füße hat, der flieht geschwind:
das baby kriegt den ersten brei

es brüllt mit luft und ganz viel willen
die polizei tritt türen ein:
tun sie hier etwa kinder grillen?
wenn ja, dann lassen sie das sein



mehr meerschwein nagen

zum frühstück trink ich hamstersaft
dazu gibts biberschnitzel
pürierte feldmaus sorgt für kraft
und ölt gelenk nebst ritzel

als zwischensnack ein eichhornfuß
vom murmeltier das händchen
verfeinert mit chinchillajus:
pikante meerschweinlendchen

moral? niveau? ich geb nen schiss
mein lebenszustand: flüchtig
verfolge jeden überbiss
ich bin wohl nagersüchtig



wo wolln se hin?

sie ham jepäck? wo wolln se hin?
nach schöneberg? na super
und kinder ooch? dann springt halt rin
der sitz ist neu, du puper

vom bahnhof an bellevue vorbei
ein umweg über pankow
da hinten schimmert norderney
die ortskenntnis sein manko

er schimpft und flucht und jault und bellt
und ist sicht stets am tauen ziehn
beliebt auf gottes großer welt:
der taxifahrer aus berlin



life… but how to live it?

das leben ist kein wunschkonzert
kein zuckerreiches schlecken
kein pappenstiel, kein traumgefährt
kein goldgefülltes becken

das leben ist kein ponyhof
läuft nie nach lust und launen
kein stehbluesfummelteenieschwoof
kein bett aus weichen daunen

das leben ist ein rucksacktrip
von kenia bis hessen
zu fuß, allein, im doppelripp
und ohne was zu essen



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