Monatsarchiv September, 2011

online sein mit maß und spaß*

ein löffel plus zitronlinesaft
drin wird die email aufgelöst
der feed, der burnt und spendet kraft
wenn er mir durch die adern stößt

doch leider wirkt der stoff nicht lang
die denke bald um nachschub kreist
ich schleich zum bahnhofssüdausgang
wo oleg seine ware preist:

afghanen-tweets mit irc?
drei chats? ein bot, sehr tüchtig?
ich kauf den kram mit zitterknie
denn ich bin onlinesüchtig

*titel gehegemannt von mechthild dyckmans

 

 

 drei fast genauso gute gedichte zum fast genau gleichen thema:

an der nerdseeküste
mehr meerschwein nagen
der neue mitbewohner



das feuerrote papamobil

verschmort sind die felgen, verkohlt ist die scheibe
und schwaden von weihrauch durchziehen die luft
zu boden gefallen: die hostienreibe
antenne und navi sind reif für die gruft

der stab, die soutane – das alles ist asche
die bibel mit goldrand, der beichtstuhl to go
selbst benedikts prunkvolle herrenhandtasche
ist opfer der flammen. der papst jault: oh no!

ermittlungen laufen. die täter entkamen
vom tatort ganz nahe am hackeschen markt
wer hat voll vertrauen in drei gottes namen
das papamobil nachts in mitte geparkt?

 

 

 drei fast genauso gute gedichte zum fast genau gleichen thema:

der grammatik-gehandicappte gott trifft heinz, das blatt, im herbst
drei beliebte glaubensrichtungen
heiden ab ins heim!



14 gründe, warum das nichts wird mit uns beiden

punkt eins: mein witz gefällt dir nicht
punkt zwei: dein blöder vater
punkt vier: im bad brennt immer licht
punkt fünf: du quälst den kater

punkt sechs: du findest nena toll
und weezer nicht (punkt sieben)
punkt neun: du kuckst stets vorwurfsvoll
punkt zehn: und auch durchtrieben

punkt zehn: du putzt nie das klavier
punkt elf: du gehst nicht wählen
noch übler aber nehm ich dir
punkt zwölf: du kannst nicht zählen

 

 

 drei fast genauso gute gedichte zum fast genau gleichen thema:

im gegenteil
beinahe eine liebeserklärung
der kölner teufelskreis



friedhelm und garfunkel


frisur wie topf, das bein recht rau
rasieren? nur im dunkeln
der sechser spielt den pass genau:
die augen friedhelms funkeln

es geht der fußball-philosoph
zum machen in den keller
in bochum jagt man ihn vom hof
die zukunft dort? nicht heller

nicht mal van gaal kommt an ihn ran
er lässt den fußball feiern
ein vorschlag: holt den guten mann
statt heynckes zu den bayern

 



das kann ich mir auch nicht erklären

 

im arbeitszimmer stehen rum
zweihundert koniferen
ein eames-chair, xbox, zwölf fass mumm
plus aufgebundne bären

acht kameras, mit blitz gepimpt
ein perlmuttstift aus mähren
das glaubst du nicht? egal. es stimmt
ich schwörs bei meinen ehren

der blutdruck steigt, die laune sinkt
die hassgefühle gären
beleg gezückt. der rechner blinkt
die steuern muss man klären

 

 



beinahe eine liebeserklärung

ich brauch dich so sehr
wie die tankstellen feuer
beduinen das meer
wie die bayernfans neuer

ich brauch dich, kein witz
wie ein taliban drohnen
wie ein camper das ritz
wie ein löwe melonen

ich brauch dich fürwahr
wie ein toter den wecker
bolschewisten den zar
wie die beatles mick jagger

 



eine böhmische rhapsodie (extended version)

 

ist dieses leben echt?
ist es nur fantasie?
erdrutsch begräbt mich: schlecht!
komm ich da raus? wohl nie

augen geöffnet. kuck:
himmel erstrahlt in blau
bin arm und bleib es. fuck
sympathie? raus die sau!

ich komm und gehe leicht
hoch und mal tief gelegt
dass hier der nordwind schleicht
hat mich noch nie bewegt

geständnis an mutti: ich hab wen getötet
die knarre zur birne. die stirn blutgerötet

mein leben, o mutti, das grad erst begonnen
ist mir zwischen schuldigen fingern zerronnen

du mutti, sollst keinerlei tränen vergießen!
(hier sieht man die folgen vom menschenerschießen)

und hälst du mich morgen nicht in deinen armen
mach weiter und schenk dir egales erbarmen

zu spät für die reue, die zeit ist verstrichen
die hautgänse schauern, bald bin ich verblichen

der körper ein schmerzfeld. adieu, all ihr seelen
ich gehe und sage: das leben wird fehlen

ich will nicht und hab gleich mein leben verloren
o mutti, warum nur hast du mich geboren?

silhouette eines mannes
tanzt fandango, der johannes
scaramouche mit blitz und donner
angsteinfluss wie vierzigtonner

armer junge, keiner liebt mich
spart ihm das, der rest ergibt sich

gehen? bleiben? rest der tage?
mamma mia, was ne frage!

der teufel ward vom beelzebub
allein für mich nur reserviert
ich frage mich im höllenclub
was mir denn alles noch passiert

ihr denkt, ihr könnt mich steinigen
mir in die augen spucken?
mich lieben und mich peinigen
verurteilen, dann ducken?

das denkt ihr zwar, doch falsch gedacht
da habt ihr euch geschnitten
ich haue ab um mitternacht
mein scherbenleben kitten

es ist egal, nichts zählt für mich
so sorglos wie die kinder
es ist egal, nichts zählt für mich
und einsam wehn die winder



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