Archiv für die Kategorie „kultur“

reicht dir das?

ach, könnte ich dein elvis sein
mit hüftschwung und gitarre
ich säng den blues, du schwängst dein bein
in meine rosa karre

ach wenn ich nur dein kubrick wär
dein coen, dein tarantino
ich drehte filme, liebesschwer
und ging mit dir ins kino

doch träume – so ihr naturell -
gehn ruckizuck zunichte
kein lied. kein film. kein aquarell
ich kann nichts. nur gedichte

 

 

ein fast genauso gutes gedicht zum fast genau gleichen thema:

froh zu sein bedarf es könig



uggly

der schuh der frau sorgt meist für spaß
durch anmut und ästhetik
gepflegt, geputzt, geformt nach maß
ein anlass zur poetik

doch manchmal trifft der fashionwahn
die damen, ladies, tanten
statt schick, sportiv und filigran
gehn sie wie elefanten

ein fies geklumptes optikwrack
null form, nur knubbelbeulen
und hergestellt aus nilpferdhack:
der ugg-trend ist zum heulen

 

 

 



ententanz und schwanensee

ich sah sie einst im staatsballett
ein frühlingsopfer tanzen
sie war so hübsch, sie wirkte nett
ich träumte von romanzen

ich zog mir lederschläppchen an
und leggings (ja, die weißen!)
dass ich kein bisschen tanzen kann
das muss doch gar nichts heißen

das würde sie, so glaubte ich
im überschwang vergeben
doch falsch gedacht. sie graute sich
ein solotanz: mein leben

 

 

 drei fast genauso gute gedichte zum fast genau gleichen thema:

festivals (4): m’era luna
voll suv
klassisches dilemma



beinahe eine liebeserklärung

ich brauch dich so sehr
wie die tankstellen feuer
beduinen das meer
wie die bayernfans neuer

ich brauch dich, kein witz
wie ein taliban drohnen
wie ein camper das ritz
wie ein löwe melonen

ich brauch dich fürwahr
wie ein toter den wecker
bolschewisten den zar
wie die beatles mick jagger

 



zurück!

 

ein freudiger schrei: yippie-yeah und hurra!
das volk jauchzt laut und lädt zur sause
der dichter der herzen, er ist wieder da
vorbei ist seine sommerpause

der urlaub war kurz, doch auch lange genug
die akkus mit neuen reimen und (für manche recht ungewöhnlichen) versschemata aufzuladen
verfechter der reinen lehre wittern betrug
doch ich gleiche dem berti: immer rein in die waden

gar kurios die dritte strophe
umarmender reim: wie im 18. jahrhundert
der leser, er schüttelt sich, irritiert bis verwundert:
hoffentlich eine ausnahme. sonst jag ich ihn vom hofe

 



wie du mir, so ich deere

der korpus strahlt in starkem grün
die räder schimmern schwärzlich
die felgen lassen raps erblühn
ein gelb, so warm und herzlich

er hält ein landwirtleben lang
und auch noch das der erben
am acker und am nebenhang
pflügt erde er in kerben

und komm mir nicht mit lanz und fendt
sonst gibts was auf die ohren
john deere ist kanzler, präsident
und könig der traktoren



trafen sich zwei monarchisten

trafen sich zwei monarchisten
die an einen buchsbaum pissten
was hast du fürn job? – bin könig
macht das arbeit? – nun, recht wenig

zepter waschen, krone wienern
überlass ich gern den dienern
und als mal die beagles bellten
klärten das die angestellten

meine zähne putzt die zofe
hat die frei, herrscht katastrophe
doch summarum muss ich sagen:
kann das leben gut ertragen

 



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