Archiv für die Kategorie „religion / weltanschauung“

und du so?

“was machst du denn an silvester?”
das verrat ich gern, mein bester:

ich sauf schnäpse (selbstgebraute)
schaue filme (schlimm versaute)

werf auf kinder chinaböller
kämme mich wie rudi völler

stech in autoreifen löcher
piss an türen, noch und nöcher

schicke tausend höllenplagen
denen, die mich dauernd fragen

was ich mache an silvester?
s&m mit deiner schwester!



als james hetfield lou reed mit ozzy osbourne verwechselte und sich niemand in der traditionell duckmäuserischen plattenindustrie traute, diesen faux-pas aufzuklären, was nun der kleine mann (wer auch sonst?) ausbaden muss

lou reed wird wach. sein welthass steigt
als er träg aus dem bett schielt
dort steht ein mann, der sich verneigt
gestatten, ich heiß hetfield

hey ozzy, quatscht ihn dieser zu
du bist für mich legende!
wie wärs? wir jammen – ich und du
das ziel sind wackelwände

der große grießgram lou erschrückt
sagt ängstlich ja, ich bin bereit
heraus kam (höflich ausgedrückt)
die schlimmste platte unsrer zeit

 

 

drei fast genauso gute gedichte zum fast genau gleichen thema:
wer metal fälscht
ronnie james dio goes to heaven (or hell?)
festivals (1): wacken



das feuerrote papamobil

verschmort sind die felgen, verkohlt ist die scheibe
und schwaden von weihrauch durchziehen die luft
zu boden gefallen: die hostienreibe
antenne und navi sind reif für die gruft

der stab, die soutane – das alles ist asche
die bibel mit goldrand, der beichtstuhl to go
selbst benedikts prunkvolle herrenhandtasche
ist opfer der flammen. der papst jault: oh no!

ermittlungen laufen. die täter entkamen
vom tatort ganz nahe am hackeschen markt
wer hat voll vertrauen in drei gottes namen
das papamobil nachts in mitte geparkt?

 

 

 drei fast genauso gute gedichte zum fast genau gleichen thema:

der grammatik-gehandicappte gott trifft heinz, das blatt, im herbst
drei beliebte glaubensrichtungen
heiden ab ins heim!



und bruce s. singt uns ein lied

new jersey ist ihm viel zu klein
kein fackeln, er will brennen
biegt links zur donnerstraße ein
dann sieht man ihn nur rennen

die ärmel hoch, zur faust die hand
im kopf die melodien
kein andrer singt so unverwandt
vom bleiben und vom fliehen

ein mann, ein riff, ein rock, ein blues
des kleinen mann genosse
der eine nennt ihn zärtlich bruce
der andre: boss der bosse

 



literatur der welt (7): ignaz oder die verschwörung der idioten

wenn idioten sich verschwören
menschheitsreste sich empören
schreie nach vernunft verpuffen
sausen jedermann die muffen

alles deppen bis auf einen:
grüne mütze, tweed an beinen
hasst die arbeit, schreibt pamphlete
zieht groteskes wie magnete

zettelt aufruhr, schenkt dir würste
fressmarxist mit kleiderbürste
keine liebe, keinen smiley:
wirrkopfkönig ignaz reilly

 



ersatzseele

 

die erste seele ging im tausch
für kunst, talente, wissen
der teufel sprach im schwefelrausch:
“die wirst du nie vermissen”

das stimmte anfangs. später nicht
nun herrscht im innern leere
“wie bitte? umtausch? nicht ganz dicht!
dir fehlt wie faust die ehre!”

diabolus verneint gehetzt
bleibt blut- und seelenrünstig
doch rettung naht. bei kamps gibts jetzt
ne zweite. sogar günstig!



trafen sich zwei monarchisten

trafen sich zwei monarchisten
die an einen buchsbaum pissten
was hast du fürn job? – bin könig
macht das arbeit? – nun, recht wenig

zepter waschen, krone wienern
überlass ich gern den dienern
und als mal die beagles bellten
klärten das die angestellten

meine zähne putzt die zofe
hat die frei, herrscht katastrophe
doch summarum muss ich sagen:
kann das leben gut ertragen

 



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