Archiv für die Kategorie „kultur“

wie du mir, so ich deere

der korpus strahlt in starkem grün
die räder schimmern schwärzlich
die felgen lassen raps erblühn
ein gelb, so warm und herzlich

er hält ein landwirtleben lang
und auch noch das der erben
am acker und am nebenhang
pflügt erde er in kerben

und komm mir nicht mit lanz und fendt
sonst gibts was auf die ohren
john deere ist kanzler, präsident
und könig der traktoren



trafen sich zwei monarchisten

trafen sich zwei monarchisten
die an einen buchsbaum pissten
was hast du fürn job? – bin könig
macht das arbeit? – nun, recht wenig

zepter waschen, krone wienern
überlass ich gern den dienern
und als mal die beagles bellten
klärten das die angestellten

meine zähne putzt die zofe
hat die frei, herrscht katastrophe
doch summarum muss ich sagen:
kann das leben gut ertragen

 



verkleidete entgleitung

jeanette ist cowgirl, arne aal
und oskar geht als tonne
doch was mach ich an karneval?
bushido? waschbär? nonne?

als guttenberg? sehr orginell
auf das kostüm kommt keiner
black swan? gadaffi? becquerel?
als müller – thomas? heiner?

schon kurz vor elf! die zeit wird rar
idee muss zünden. dringend!
na gut. ich geh wie letztes jahr
leicht torkelnd und laut singend



ich habe in wien einen vögelkatapult bestellt

wer vögel weit zum himmel schießt
sie katapultig schleudert
und damit grüne schweine spießt
gilt als total bescheudert

als feind der tiere ohnehin
gequält trotz helm und rüstung
das leben ist mal voller sinn
und manchmal voll verwüstung

man sieht millionen – spannung! schweiß!
an ihren smartphones kleben
die app als schlagender beweis
für rohes, tumbes leben



du isst kein fleisch?

du isst kein fleisch? tatsächlich? wow!
auch keine gans und pute?
kein huhn? kein lachs? kein kabeljau?
das find ich wirklich gut, ähh

du isst kein fleisch? wie löblich, toll!
ich auch nicht. bis auf würstchen
und scampis. sind das tiere? *lol*
von tofu krieg ich dürstchen

du isst kein fleisch? ist das gesund?
da fehlt dir doch das eisen!
so wirst du niemals kugelrund
darfst nie nach chile reisen



der nadel verpflichtet

es ist soweit. ein mann, ein nord:
die tanne muss verschwinden!

doch schon ertönt das widerwort:
die bleibt! mit stamm und rinden!

die gattin (baumfan!) stellt sich quer:
ich häng doch an der nadel!

wenn sie geht, bleib auch ich nicht mehr!
sie schimpft und äußert tadel

was soll der mist? ich will hier raus!
der baum spricht. wie obskur!

auf einem bein hüpft er hinaus
was bleibt, ist seine spur



russisches chatroulette


aljosha liegt auf seinem bett
er will, doch kann nicht schlafen
computer an, auf chatroulette
den bin-so-einsam-hafen

das t-shirt lässt er besser aus
wir sind ja unter freunden
sein wortschatz sorgt für viel applaus
und auch – touché! – die pointen

ergreift partei für die unesco
verteidigt hegel gegen kant
bewundert sehr davincis fresko
doch wo ist seine linke hand?

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