Archiv für die Kategorie „gedicht“

taliban, bitte aussteigen!

taliban, nun haltet inne
mit der bombenbastelei
kürzt den bart an eurem kinne
mit scharia ists vorbei

lasst doch bitte diesen dschihad
respektiert mal eure frau
dann gibts auch nen neuen fiat
und ein ipad (friedensblau)

deutschland lässt sichs gut was kosten
dass ihr terrorfäden kappt
hier bei uns im dunklen osten
hats ja schließlich auch geklappt

tudei ditzingen, tumorro se wörld!

diep inseid se schwabenländle
lived se oetti wif his mistress
hi hed kweit a golden händle
mixing politics wif bisness

sen wan dei a tscheinsch of story
brüssel wonts a kommisar
„sis is not a problem for me
inglisch schwätz i wunderbar!“

truf bi told: he is a liar
jurop lafs biheind his beck
only schduargard srous a feier
ändlich isch der seggl weg

vierzigstes weltwirtschaftsforum in davos

da wos warm ist und auch teuer
trifft sich die globalelite
draußen brennen zornesfeuer
drinnen zahlt man nicht mal miete

bonzen, banker, firmenlenker
kauen platinkaviar
und der staat schickt steuersenker
zum kotau vorm wirtschaftszar

zwischen siebtem gang und nachtisch
wirds kurz ernst auf dieser feier
hach, haiti! wirklich tragisch!
reich mir mal die dodoeier

wer ohne schuld ist, werfe den ersten steiner

hochverehrter rudolf steiner
schwabens eurythmetik-stolz
was du schufst, das schafft sonst keiner
bist aus ganz besondrem holz

vom hotel zum kindergarten
alles hast du neu gemacht
viele leck’re dressing-arten
hast du dem salat gebracht

schiefe winkel, brot aus baumtorf
freies spiel in freiem rahmen
jede haistadt, jedes waldorf
tanzt für immer deinen namen

no more hurricanes from hannover

trauerarbeit in hannover
und im rest der hemisphäre
rudi schenker says: it’s over
in den herzen nichts als leere

ach, wie big die city nights war’n
world wide people loving you
und speziell die ossi-nachbarn
jubelten den scorpions zu

denn klaus meines schmalzgepfeife
endete den kalten krieg
von der oder bis zur neife
liebt man deshalb scorps-musik

timberland ist abgebrannt

ricke-racke geht die säge
durch die lüfte saust das beil
sülzbewohner gar nicht träge
rufen laut: holzfäller heil

was bei drei nicht auf dem baume
wird gerodet und gefällt
wurst, ob tanne oder pflaume
holzlos ist die neue welt

obi platzt aus seinen nähten
alle kaufen schneidewaffen
wollen raum für bioläden
und für neue kitas schaffen

wenn die banker trauer tragen

nicht lange her, da trugen sie
das grüne band der sympathie

doch heute gelten sie als schurken
die unsre wirtschaftskraft vergurken

beliebt wie lecke exxon-tanker:
die risiko-investmentbanker

gleich hinter dem linksterrorist
ihr image einzuordnen ist

der vater herrscht den racker an:
„werd bloß nicht wie der ackermann“

der banker hört das, schluckt und flennt
und hebt den zins um zwölf prozent

kulturhauptstadt des wegschauens

pott ist kult, das weiß europa
schon seit anfang januar
von der zeche bis zur opa
alles glänzt ganz wunderbar

aufgehübschte stahlromantik
steuerzahler latzt millionen
„fünfzehn reicht nicht? dann nimm zwanzig!“
image muss sich wieder lohnen

touris komm’n und schaun akribisch
auf das erbe von herrn thyssen
reisen ab und freun sich diebisch
dass sie hier nicht wohnen müssen

alles schaben außer schwaben (1): sc freiburg

rund um freiburg stehn viel bäume
und im winter fällt der schnee
doch bereitet höllenträume
dieser furchtbare sc

fußball für salonmarxisten
die gern von systemen faseln
langzeitstudis, masochisten
schauen zu beim chanceverbaseln

breisgau-messis? großer lacher
image gut, der kick ist schlapp
attraktiv wie rolf der zacher
dutt sei dank steigt ihr bald ab

kabinettstückchen (3): rainer brüderle

intellekt in südhanglage
mimik wie ein kelterfass
sein akzent ist ohrenplage
täglich füllt er sich das glas

gibts zum frühstück keinen riesling
fehlt am mittagstisch burgunder
wird der brüderle zum fiesling
man erlebt sein blaues wunder

wütend hebt er seine arme
holland ist in schwerer not
„saumensch! do gibts koin erbarme!
du bekummsch lokalverbot!“

spätere Gedichte frühere Gedichte
  • Zufallsgedicht