Archiv für die Kategorie „landsmannschaft“

wir sind wieder wer

erster weltkrieg, zweiter weltkrieg
alles haben wir verloren
seitdem klingt der traum vom endsieg
in der seele, in den ohren

senfgas und v2-raketen?
waffenhoffnung wird zum flop
erst mit lenas satelleten
sind wir in europa top

heute werden wir umjubelt
von gibraltar bis verdun
echte liebe, nix gedoubelt
ja, da gibt es kein vertun

bielefeld: der yeti unter deutschlands städten

bielefeld? das existiert nicht
so besagt es die legende
doch wer diese formuliert kriegt
schnell den kicker in die hände:

„guck mal hier in der tabelle:
die arminia auf platz acht
für das existenzielle
ist so der beweis erbracht!“

doch der hinweis auf die listen
ist bald wertlos wie das baht
ostwestfalens sechstligisten
finden medial nicht statt

bayern sein? ein klares nein!


„heute sind wir alle bayern!“
titelt die demenzpostille
also fangt mal an zu feiern
über bord mit stil und wille

schlüpft in schlimme lederhosen
sprecht, dass es kein mensch versteht
kauft euch weizen: siebzehn dosen
sauft, bis euer hirn vergeht

schwängert eure großcousinen
weist die asylanten aus
duscht und badet in latrinen
bayern sein? mir wärs ein graus

spätägyptische dekadenz

frühstück bei frau nofretete:
„sklave! er erscheine flugs!
in dem hai-crêpe ist ne gräte
und das lammsteak schmeckt nach fuchs!“

mittagsmahlzeit bei herrn ramses
auch bei ihm herrscht unmut vor:
„wachtelei halb roh! da hamses!“
sprichts und knallts dem koch ans ohr

cheops klagt beim abendessen:
„ständig patzer! niemals übt er!
personal tut nichts als stressen!“
hart ists leben als ägypter

wenn hinter griechen griechen kriechen

platon kroch einst in die höhle
suchte dort nach ein paar gulden
denn schon damals war genöhle
ständig hat der grieche schulden

archimedes sprang in wannen
tastete nach den sesterzen
doch enttäuscht zog er von dannen
geldnot lässt sich schwer verschmerzen

und auch heute stehts nicht besser
hellas‘ stolz macht harakiki
die eu wetzt streng das messer:
steuer hoch auf den tsatsiki

alles schaben außer schwaben (7): eintracht frankfurt


welthauptstadt der unsympathen
onkelz, medlock, ackermann
leben heißt hier tod auf raten
jeder flieht, sobald er kann

und wer da bleibt, leidet qualen
grund ist dieser unverein
kleinfußball und großrandalen
faustrecht regelt euer sein

lass doch einmal fünfe grade?
tut mir leid, ich kann nicht lassen
von der pöbelkanonade:
hessen muss man einfach hassen

literatur der welt (3): schweiz

dürrenmatt mag kriminales
ab und zu auch ironie
frisch dagegen irreales
homo faber? klappt doch nie

hippie hesse frönt idyllen
unterm rad da steppt der wolf
mag die heidi noch so brüllen
almöhi spielt ziegengolf

viel talent gedeiht im schweizberg
doch da gibts nen egokiller
wilhelm tell, das nationalwerk
schrieb ein deutscher: fritze schiller

kölner apotheker – gauner und verbreker

guten tag, mir schmerzt die birne
gestern trank ich neunzehn kölsch
ich brauch watte für das hirne
auch im magen tickt was fölsch

kein problem, wir sind gerüstet
aspirin wirkt wahre wunder
wer den kopf mit alk verwüstet
den macht unsereins schnell munter

dreist sind kölns apothekare:
erst bewerben sie das saufen
um am nächsten tag die ware
für die folgen zu verkaufen

oben geht immer noch was rhein

wer schon morgens bier und wein kippt
gilt ja schnell als asozial
außer man ist wo es rhein gibt
da heißt das dann karneval

erstes kölsch gibts in der firma
noch geht es gesittet zu
ralf und lothar gehn als würmer
gitte glänzt als känguruh

zweieinhalb promille später
sieht die sache anders aus
karin knutscht mit wodka-peter
bringt sich herpes mit nach haus

petrus: gerechter unter den gerechten

jahrelang mussten wir blechen
für den mensch im ostgebiet
hier im westen schlossen zechen
dort jedoch die landschaft blüht

unser soli ward verbraten
gegenleistung? ist gleich null
undank kommt in monatsraten
jammert uns die ohren vull

petrus aber hat ein einsehn
lässt gerechtigkeit passieren
während wir die ärmel hochdrehn
muss der ossi richtig frieren

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